Vor Ort erfährt Brandt viel Neues
Sa, 12. Sep. 2009
Stolberger Zeitung / Lokales / Seite 17
Der Bundestagsabgeordnete unterwegs in Stolberg. „Im Wahlkampf wird man jeden Tag schlauer.“ Beim Ausfüllen der Patientenvollmacht geholfen. Canvassing am Supermarkt und ein Besuch beim DRK.
Von Jan Schlegelmilch
Stolberg. „So etwas habe ich in der Form noch nicht gesehen“, meint Helmut Brandt. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist noch immer ganz begeistert von den Senioren in der Breiniger Altenstube. „Da wurde an allen Tischen gespielt und geskatet, da war ja richtig Leben.“ Der Besuch der Einrichtung war einer von fünf Terminen, den Brandt bei seiner Tour durch den Wahlkreis an diesem Tag wahrnahm. Ein Blick hinter die Kulissen der Baesweiler Tafel, anschließend „Canvassing“ - die Stimmenwerbung durch das Verteilen von Rosen und Flyern - vor demSupermarkt in Münsterbusch: Wahlkampf kann eben ganz schön zeitintensiv und anstrengend sein – aber genau so interessant und lehrreich, wie der Bundestagskandidat beim Besuch in Stolberg feststellte.
Denn nicht nur in Breinig gewann Helmut Brandt neue Erkentnisse wie es in seinem Wahlkreis unmittelbar vor Ort zugeht. „Im Wahlkampf wird man jeden Tag schlauer. Ich finde diese Initiative toll, das kannte ich so noch gar nicht“, zeigte sich der Politiker auch von der Schulranzen-Aktion des Deutschen Roten Kreuzes, die ihm von den Vorstandsmitgliedern Raimund Lesmeister und Hans-Josef Siebertz vorgestellt wurde, beeindruckt. Bereits drei Mal startete das DRK in der Vergangenheit einen Aufruf, neue und gebrauchte Schulartikel zu spenden, um diese bedürftigen Kindern zur Verfügung zu stellen. Bis dato wurden bedürftige Familien über die Kundenkartei der Stolberger Tafel, mit der das DRK zusammenarbeitet, ermittelt. „Was wir hier machen, ist zwar ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es ermöglicht den Kindern zumindest einen Start mit vernünftiger Schulausrüstung“, informierte Lesmeister, dem Brandt wie den gesamten ehrenamtlichen Helfern ein großes Lob aussprach: „Wenn man bedenkt, dass aufgrund des demografischen Wandels kaum noch jüngere Facharbeiter nachkommen, muss wenigstens die Qualität der Ausbildung stimmen. Insofern ist diese Aktion eine tolle Sache“, so der Christdemokrat.
Lehrreich wurde es bei Brandts letztem Termin an diesem Tag in der Kupferstadt. Bei seinem Referat über die Patientenverfügung und den damit verbundenen rechtlichen Hintergründen im Saal von „Angie’s Bistro“ waren es diesmal aber seine vielen Zuhörer, die eine Menge Wissenswertes über das ernstzunehmende Thema erfuhren. „Wie bestimme ich, was medizinisch unternommen werden soll, wenn ich entscheidungsunfähig bin?“ Das ist die Kernfrage, bei der das Verfassen einer Patientenverfügung Abhilfe schafft. Zwar ist, wie Brandt informierte, zum 1. September das dritte Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts in Kraft getreten. Dieses schreibt vor, dass Patientenverfügungen in Zukunft schriftlich verfasst und eigenhändig unterschrieben sein müssen. Brandt betont jedoch: „Alle bereits verfassten Patientenverfügungen behalten ihre Gültigkeit und haben durch das Gesetz eine Grundlage erhalten, die sie manifestieren.“
Um den Patientenwillen im Falle einer Situation der Handlungsunfähigkeit durchsetzen zu können, sind einige Dinge zu beachten: Eine Patientenverfügung muss in jedem Fall schriftlich verfasst werden und drückt in konkreten Fällen die Wahl zwischen zwei Alternativen aus – der Fortsetzung der medizinischen Behandlung oder dem Abbruch. „Nicht geht das Verlangen, dass man getötet wird. Das ist gesetzlich verboten und darüber kann man nicht verfügen“, sagte Brandt.
Mindestens genau so wichtig wie die schriftliche Fixierung seines Willens ist die Bestimmung eines Betreuers, der den formulierten Willen im Falle der Handlungsunfähigkeit durchsetzt. Selbst der Ehepartner könne ohne das Einsetzen als Betreuer nicht über den Patienten verfügen. Jedoch müssten Arzt und Betreuer immer gemeinsam abwägen, ob die Situation des Patienten den Einsatz der Patientenverfügung nötig mache.



